FOR YOUR EYES ONLY
Presseinformation
Miniaturen der Romantik
Kuratorin
Sabine Zorn (Leitung Konservierung/Restaurierung von Graphik und Fotografie Hamburger Kunsthalle)
Gastkurator
Dr. Bernd Pappe (Freier Restaurator und Kunsthistoriker, Experte für Porträtminiaturen)
Pressetermin
Donnerstag, 5. Februar 2026, um 11 Uhr
Eröffnung
Donnerstag, Donnerstag, 5. Februar 2026, um 19 Uhr
Mit FOR YOUR EYES ONLY. Miniaturen der Romantik widmet sich die Hamburger Kunsthalle erstmals umfassend der facettenreichen Kunst der
Miniaturmalerei in Hamburg von ihrer Blütezeit um 1800 bis zu den 1840er Jahren, als sie von den frühen Techniken der Fotografie abgelöst wurde. Den
Ausgangspunkt bilden rund 100 Porträtminiaturen aus dem Bestand der Kunsthalle, die 2023–2024 konservatorisch und kunsttechnologisch erschlossen wurden.
Erstmalig werden daraus rund 60 Miniaturen, zusammen mit rund 150 Leihgaben aus europäischen Sammlungen und Privatbesitz, teils ebenso erstmalig, zu sehen sein. Die Kleinstbildnisse werden durch Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik und Fotografie komplettiert. So unter anderem durch ein Selbstbildnis des Malers und Miniaturisten Bernhard Peter von Rausch (1793–1865). Die Fertigung von Miniaturen und ihre besondere Funktion werden dabei ebenso beleuchtet, wie ihre technischen Veränderungen. Insgesamt präsentiert die Ausstellung im Harzen-Kabinett über 250 Objekte einer Epoche, die von gesellschaftlichem Wandel, europäischem Aus-tausch und technischen Neuerungen geprägt war.
Das Bedürfnis nach einem Erinnerungsbild eines geliebten Menschen, das stets bei sich getragen werden kann, besteht bis heute. Vor der Erfindung der Fotografie wurden die Kleinstbildnisse in stundenlanger Arbeit gemalt und stellten kostbare Unikate dar. Ihr kleines Format – meist etwa 6 bis 10 cm – sowie die kunstvolle Fertigung mit Aquarell- und Gouachefarben auf hauchdünnen Elfenbeinplättchen, teils mit Silberfolie hinterlegt, fasziniert bis heute. Die in Rahmen, Broschen oder Etuis gefassten, handlichen Kleinporträts, zählten zu den persönlichsten und intimsten Bildnissen, die Menschen von sich malen ließen. Die Miniaturist*innen trafen sich mit ihren Auftraggeber*innen mehrfach zu Sitzungen und malten »ad vivum«, oft auf speziell dafür entwickelten Malpulten.
Ein erstmals ausgestelltes Pult aus dem Nachlass des Miniaturisten Jean-Baptiste Jacques Augustin (1759–1832), Malutensilien und Messinstrumente wie ein Pantograph zur maßstabsgetreuen Verkleinerung von Zeichnungen, veranschaulichen die traditionelle Herstellungsweise von Miniaturen auf Elfenbein und weiß grundiertem Papier ebenso wie die Ende des 18. Jahrhunderts entstehenden Vervielfältigungsverfahren Bou-Magie und Physionotrace.
Dem Auftrag zur Fertigung einer Miniatur lag die innige Beziehung zweier Menschen zugrunde. Das Bildnis war tatsächlich für nur ein weiteres paar Augen
bestimmt. Es konnte stets bei sich – oftmals direkt am Herzen – getragen und jederzeit betrachtet werden. Die Bildnisse sollten die Erinnerung bei längerer
Trennung wachhalten oder Trost beim Verlust eines geliebten Menschen spenden. Beigelegte Haarlocken, kunstvoll geflochtenes Haar, begleitende Inschriften oder aber im Bildnis versteckte Botschaften in Form von Blumen, Gegenständen oder Tieren, unterstreichen den persönlichen Charakter der Werke und bieten Einblick in die Gefühlswelt um 1800.
Porträtminiaturen waren um 1800 in Europa weit verbreitet. Sie wurden nicht mehr nur für den Adel gefertigt, sondern erfreuten sich auch beim aufstrebenden Bürgertum zunehmender Beliebtheit. So auch in Hamburg, das Ende des 18. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufbruch erlebte. Nach den Rückschlägen der napoleonischen Zeit setzte sich dieser Aufschwung fort und beeinflusste auch das künstlerische Schaffen in der Hansestadt nachhaltig. Erste private Kunstsammlungen entstanden, der Kunstverein wurde 1817 gegründet, Ausstellungen, ein liberales Auktionsgesetz und neue Techniken wie die Lithografie und später die Daguerreotypie trugen dazu bei, dass sich Hamburg rasch zu einem bedeutenden Kunstzentrum im
Norden entwickelte.
International bekannte Miniaturisten wie Giovanni Domenico Bossi (1767–1853), Carl Friedrich Demiani (1768–1823), Pierre-Louis Bouvier (1765–1836), Charles Hénard (1756–1813), Jan Gottlieb Jannasch (um 1755–1804) oder Edmé Quenedey (1756–1830) lebten und arbeiteten einige Zeit in Hamburg. Auch die Hansestadt selbst brachte in dieser Zeit herausragende Künstler*innen wie Leo Lehmann (1782–1859), Ernst August Abel (1720–1790), Karl Friedrich Kroymann (1781–1849) und Christopher Suhr (1771–1842) hervor. Besonders prägend waren Friedrich Carl Gröger (1766–1838) und Heinrich Jakob Aldenrath (1775–1844).
Mit der Erfindung der Fotografie 1839 wurde ein Medium populär, das die Funktion der Bildnisminiatur zunehmend übernahm und schließlich vollständig ablöste. Durch die Daguerreotypie (auch Heliographie) konnten kleinformatige Porträts nicht nur realistischer, sondern auch bedeutend schneller gefertigt werden. Die Sitzungszeit für ein Miniaturporträt verkürzte sich schon bald auf unter eine Minute. Die kostengünstige Herstellung erschloss den Künstler*innen zudem neue Kund*innenkreise. Der Hamburger Carl Ferdinand Stelzner (1805–1894) und seine Frau Caroline (1808–1875) wirkten so zunächst als Miniaturmaler*innen, bevor sich besonders Carl Ferdinand Stelzner ab 1842 erfolgreich der Porträtfotografie zuwandte. Ganz aus der Mode geriet die Porträtminiatur dennoch nicht. Die in Rom tätige Miniaturistin Enrichetta Fioroni-Narducci (1806–1892) und ihre Schwester Teresa Fioroni (1799–1880) fertigten beispielsweise die bei Reisenden Mitte des 19. Jahrhunderts äußerst beliebten Miniaturversionen berühmter Gemälde und
erzielten so weiterhin Einnahmen. Die Kunsthalle beherbergt fünf ihrer Arbeiten und zeigt diese in der Schau.
Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation (Michael Imhof Verlag, herausgegeben von Sabine Zorn und Bernd Pappe, ca. 160 Seiten), die im Museumsshop und über www.freunde-der-kunsthalle.de zum Preis von 29 Euro sowie über den Buchhandel erhältlich ist.
Pressemeldung
Gefördert von
Ulla, der Hund im Hause Stelzner,
1850–1865
Daguerreotypie, 7,3 x 6,3 cm
© Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Herr auf Sofa, 1799
Aquarell und Gouache auf Elfenbein,
15,1 x 12,5 cm
The Tansey Miniatures Foundation, Celle
© Foto: Birgitt Schmedding
(1775–1844)
Caroline Mohrmann (geb. Wortmann), um 1815
Aquarell und Gouache auf Elfenbein,
6,3 x 4,9 cm
Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle
Foto: Birgitt Schmedding
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(1793–1865)
Selbstporträt im Studio in München,
um 1830
Öl auf Leinwand, 37,8 x 29,8 cm
Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Foto: Christoph Irrgang
(Rückseite eines Herrenporträts),
um 1800
Vergoldetes Metall auf Haar, Ø 5,3 cm
Hamburger Kunsthalle / bpk
© Hamburger Kunsthalle
Foto: Birgitt Schmedding
Dr. med Paul Hinrich Büsch, um 1795
Aquarell und Gouache auf Elfenbein
6,0 cm (Durchmesser)
Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle
Foto: Birgitt Schmedding
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Herr in blauem Rock, 1805
Aquarell und Gouache auf Elfenbein
8,8 x 7,4 cm
The Tansey Miniatures Foundation, Celle
© Foto: Birgitt Schmedding
Selbstbildnis, um 1774
Aquarell und Gouache auf Elfenbein,
10,3 x 8,4 cm
The Tansey Miniatures Foundation, Celle
© Foto: Birgitt Schmedding
Selbstbildnis, um 1800
Aquarell und Gouache auf Elfenbein
7,1 x 5,3 cm
Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle
Foto: Birgitt Schmedding
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Mr. Crowe, um 1845
Daguerreotypie, umrahmt von geflochtenem
Haar, auf Brosche, 5,5 x 6,5 cm
Sammlung Gummersbach
© Foto: Jakob Schnetz
Dame mit Strohhut und Hündchen,
um 1795
Aquarell und Gouache auf Elfenbein,
Ø 7,3 cm
The Tansey Miniatures Foundation, Celle
© Foto: Birgitt Schmedding
Die Miniaturmalerin Caroline Stelzner (1808–1875), 1843
Daguerreotypie, 10,8 x 8,1 cm
Museum für Kunst und Gewerbe
© Museum für Kunst und Gewerbe
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Selbstbildnis, 1855
Daguerreotypie, 5,9 x 4,8 cm
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
© Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Dame in weißem Kleid mit blauen
Borten, um 1800
Aquarell und Gouache auf Elfenbein,
Ø 6,2 cm
The Tansey Miniatures Foundation, Celle
© Foto: Birgitt Schmedding
Mutter mit Kind, 1815
Aquarell und Gouache auf Elfenbein,
Ø 8 cm
Schloss Kemnade, Hattingen
(Sammlung Rudowski)
© Foto: Fotostudio Eric Jobs, Hattingen